• Leserbrief der AG-BU-§11 zu ‘Sitz!Platz!Fuß!’ im Spiegel, 5/2015

    Arbeitsgemeinschaft zur bundeseinheitlichen 
Umsetzung von § 11,
    Abs. 1, Nr.8 f TierSchG
AG-BU-TierSchG
    Seefeld 38

    23843 Bad Oldesloe

    Leserbrief / Expertenhinweis zu Ihrem Beitrag ‘Sitz!Platz!Fuß!’ in der Ausgabe 5/2015

    Für sehr viele Hundebesitzer gibt der Beitrag ‘Sitz!Platz!Fuß!’ einen Einblick in das Geschehen rund um das Hundeverhalten und – ganz nebenbei – um die seit August 2014 geltende Genehmigungspflicht für Hundetrainer.

    Was allerdings den Besitzern von Hunden im Verborgenen bleibt, ist der Umstand, dass sehr viele Hundetrainer in Deutschland derzeit um ihre Existenzen kämpfen. Verantwortlich hierfür sind vor allem die zuständigen Erlaubnis-Behörden und damit sind in Deutschland die Veterinärämter gemeint.

    Obwohl der Gesetzgeber zur Durchführung von Erlaubnisverfahren weder eine Rechtsverordnung noch eine Prüfung vorgesehen hat, werden selbst langjährig erfolgreiche und kompetente Hundetrainer deutschlandweit offensichtlich willkürlich zu Prüfungen gezwungen. Besonders schlimm dabei: Die angeblich „anspruchsvolle“ Prüfung erweist sich als wenig praxisorientiert, ist in praktizierenden Fachkreisen inhaltlich höchst umstritten und einseitig auf verhaltensbiologische, physiologische, medizinische und lerntheoretische Schwerpunkte zugeschnitten. Hundetrainer, die eine Prüfung in dieser Form erfolgreich bestehen, können auf dieser einseitigen Grundlage kaum tatsächliche Qualitäten und Kompetenzen im Umgang mit Hunden und Menschen vorweisen.

    Eine harmonische Mensch-Hund-Beziehung ist in einem ganz erheblichen Maß von der sozialen und damit emotionalen sowie intuitiven Kompetenz unserer Hundetrainer gegenüber Menschen und Hunden abhängig. Wissenschaftliche Erkenntnisse, beziehungsweise die im Beitrag dargestellten, kognitiven Forschungsergebnisse, werden als Bereicherung willkommen geheißen und keinesfalls abgelehnt. Und dennoch nützt das alleinige Wissen darüber weder einem Hundebesitzer noch dem ihn betreuenden Hundetrainer.

    So nehmen auch die Klagen vieler Hundebesitzer zu, die bereits über viele Jahre mit Begeisterung die empathischen und fachlichen Kompetenzen ihrer Hundetrainer lobend hervorheben und dann kopfschüttelnd feststellen müssen, dass durch offensichtliche Willkürakte von Behörden genau diese kompetent geführten Hundeschulen von der Schließung bedroht werden.

    Es ist erschreckend, miterleben zu müssen, dass langjährig erfolgreiche Hundetrainer ganz plötzlich um ihre beruflichen Existenzen bangen müssen, nur weil sie sich gegen die derzeitig praktizierte Behördenwillkür zur Wehr setzen.

    Auch der in Ihrem Artikel genannte Hundetrainer hat freiwillig und damit unter Eigeninitiative eine umfangreiche Ausbildung mit reichhaltigem Lehrplan in Theorie und Praxis bei einem privaten Bildungsträger absolviert. Er hat sehr viel für seine Tätigkeit und der damit verbundenen Kompetenzerweiterung getan. Doch sein Schicksal teilt er nun mit vielen anderen erfahrenen Hundetrainern. Ihre Kompetenzen werden in den meisten Behörden ohne konkrete Prüfung des Einzelfalles pauschal aberkannt!

    Erschreckend ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich in den meisten Prüfungskommissionen der Behörden Tierärzte an den Sachkundeprüfungen beteiligen. 
Zumal gerade Tierärzte als wenig bis überhaupt nicht auf persönliche Erfahrungen als Hundetrainer zurückgreifen können. Und doch entscheiden sie vielfach über die Sachkunde von Hundetrainern, die in diesem Bereich weitaus mehr Erfahrung und Kompetenzen aufweisen, als sie selbst.

    Was die Behörden bei der Durchführung von Prüfungen und Fachgesprächen häufig nicht wissen und damit nicht berücksichtigen: Sie prüfen vorrangig und einseitig Trainingskompetenzen. Einem Hund irgendetwas Neues beizubringen (Sitz!Platz!Fuß), wird Training genannt und erfolgt auf der Grundlage der Konditionierungslehre. Doch Training hat wenig mit Erziehung zu tun. Erziehung ist der geplante Aufbau der Sozialisation, Kommunikation auf möglichst hohem Niveau und nutzt als Grundlage das sogenannte Sender-Empfänger-Prinzip. In einer Mensch-Hund-Beziehung, die auf einer qualitativ hochwertigen Kommunikation fußt, muss wenig bis überhaupt nicht trainiert werden. Hunde sollen nicht „funktionieren“. Sie sind „Persönlichkeiten“, sollen bestmöglich in die Gesellschaft integriert werden und damit auch bei gegebener Notwendigkeit kontrollierbar sein. Vor allem aber sollen sie im Zusammenleben mit ihren Menschen eine emotionale Bereicherung darstellen. Das erreichen wir mit Erziehung und kaum mit Training im Sinne der Konditionierungslehre!

    Das Schicksal des im Beitrag genannten Hundetrainers wird am Rande erwähnt. Seine Ängste und Sorgen, seine Frustration wiegen wohl noch schwerer als die eines Hundes, wenn dieser nicht versteht, was gerade von ihm gewollt wird oder wie er etwas richtig machen kann. 
Mit dem Unterschied, dass es für den Hundetrainer derzeit um seine berufliche Existenz geht und er ratlos mit seinem Fachwissen auf der Strecke zu bleiben droht.

    Nadin Matthews (im Auftrag der AG-BU-TierSchG)

    Quelle: Arbeitsgemeinschaft §11 TierSchG